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Leonberger Kreiszeitung vom 2. Juli 2008

 
Ein flüchtiger Moment des Aufeinandertreffens

"Menschen - Bilder": Uschi Choma und Birgit Feil stellen in der Leonberger Galerie Grußendorf aus


Leonberg. Menschen stellen die Plastiken von Birgit Feil, Emotionen die Bilder von Uschi Choma in den Mittelpunkt. In der Ausstellung "Menschen - Bilder" sind diese unterschiedlichen Arbeiten noch bis Mitte August in der Leonberger Galerie Grußendorf zu sehen.

Von Rainer Enke

Gleich rechts, wenn man die Galerie Grußendorf betritt, sitzt die Bildhauerin Christiane, eine Freundin von Birgit Feil, in Lebensgröße. Eine Hand locker in den Schoß gelegt, ein Kopftuch hält die Haare zusammen, der Blick scheint ins Leere zu gehen. Wenige blasse Farben setzen sparsame Akzente auf dem hellen grau-braunen Farbton des Kunststoffs. Es ist eine Momentaufnahme, sagt Birgit Feil, meine Figuren horchen in sich hinein, schauen aber auch in die Welt hinaus. Konkrete Figuren, beinahe naturalistische, erschafft die Leonberger Künstlerin, in ihren Plastiken und Reliefs - und dies aus eher ungewöhnlichen Materialien.

Zum einen verwendet sie, vor allem für die kleineren Objekte, Beton, für die größeren und großen einen Kunststoff auf Acrylbasis, den sie schichtweise laminiert. Für die Reliefs und Kleinplastiken wird eine Negativform aus Ton hergestellt, die dann meist mit ganz gewöhnlichem Baubeton ausgegossen wird. Tonerde, Schmelzzement und Portlandzement variieren die Mischungen. Auch mit Bronze arbeitet Birgit Feil bei ihren Kleinplastiken. Außerdem werden Radierungen gezeigt, die beinahe fotorealistisch anmuten. Sie sind, wie alle Objekte, nach Fotografien von Menschen in ihrer Umgebung angefertigt, Momente, die für Birgit Feil wichtig sind. Ein Innehalten im Lauf der Zeit, ein isolierter Augenblick.

Völlig abstrakt, aber auch Emotionen zeigend und weckend, sind die mittelformatigen Acrylbilder der Leonbergerin Uschi Choma. Sie vermitteln eine "bescheidene, zurückhaltende Botschaft", wie Professor Klaus Werner bei der Vernissage erläutert hat. Im freien Spiel mit grauen Erdfarben, Farben und reduzierter Formensprache spürt sie die Verletzlichkeit der menschlichen Existenz auf. Auf vielen Bildern scheint etwas hinter Acryl und Kreide verborgen, möchte an die Oberfläche streben. Durch mehrfaches kreatives Übermalen entstehen Farbschichten, die Tiefe vermitteln. Pigmente geben Struktur und weisen auf Besonderes hin, geritzte Ornamentik verdichtet die Themen, in dem sie gewollt die Harmonie stören.

Die Bilder signalisieren Stimmungen: Positives Wohlbefinden ebenso wie Enttäuschungen, etwa im eher düster gehaltenen Zyklus "Schattenwelt", eine Alltagsbewältigung von Uschi Choma in Meditation. Keine Frage, sie ist eine Malerin der leisen Töne. Beide Oevres haben zwar ihre ganz individuelle optische Präsenz, jedoch, sie führen sich fort, entwickeln sich gegenseitig auch zueinander hin - der Moment des Aufeinandertreffens aber ist flüchtig. Er bleibt nur in der Erinnerung und im Gefühl.

Die Ausstellung "Menschen - Bilder" in der Leonberger Galerie Grußendorf, Zwerchstraße 6, endet am 16. August. Die Öffnungszeiten sind Donnerstag und Freitag von 15 bis 18 Uhr, Samstag von 10 bis 13 Uhr.


Leonberger Kreiszeitung vom 2. Juli 2008



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